Ungleichheit – ein entscheidenter Faktor an der Finanz- und Wirtschaftskrise?
Ungleichheit – ein entscheidenter Faktor an der Finanz- und Wirtschaftskrise?
Zum Thema Ungleichheit hat das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung (steht dem DGB nahe) eine sehr interessante Abhandlung veröffentlicht. Es werden hier klassische Themen der Gewerkschaften und der Sozialdemokraten angegangen. Die zentrale Frage dieses Dokumentes lautet: “Ist die ungleiche Entwicklung am gesamten Volkseinkommen Schuld an der derzeiten Finanzkrise und Wirtschaftskrise?”.
Ich möchte im weiteren Verlauf nur auf wenige Aspekte dieses Papiers eingehen.
Ein internationales Expertengremium unter der Leitung von Jean-Paul Fitoussi und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz hat jüngst einen Bericht über die Hintergründe der globalen Finanzkrise und die hieraus abzuleitenden Politikempfehlungen vorgelegt (Fitoussi/Stiglitz 2009). Als die entscheidende strukturelle Wurzel der Krise wird die in den meisten Ländern seit Beginn der 1980er Jahre zunehmende Einkommensungleichheit ausgemacht.
Diese habe eine latente aggregierte Nachfrageschwäche erzeugt, da die unteren Einkommensgruppen in der Regel eine höhere Konsumneigung haben als reiche Haushalte. In den USA sei diese durch die steigende Ungleichheit begründete stagnative Grundtendenz jedoch durch den Anstieg der Verschuldung der Privathaushalte kompensiert worden: „In the US the compression of low incomes was compensated by the reduction of household savings and by mounting indebtedness that allowed spending patterns to be kept virtually unchanged.“.
Gleichzeitig hätten die Ungleichheit sowie die Abwesenheit umfassender sozialer Sicherungssysteme eine steigende Verschuldung des Staates gleichsam erzwungen, um die schlechte Einkommenssituation bei den ärmeren Haushalten abzufedern und die Arbeitslosigkeit durch eine kräftige öffentliche Nachfrage niedrig zu halten: „Thus, growth was maintained at the price of increasing public and private indebtedness.”
(zitiert aus der Studie des IMKs)
Wie die obige Grafik aufzeigt, waren die letzten Jahrzehnte dadurch geprägt, dass die Vermögenden immer reicher wurden und einen immer grösseren Teil des Kuchens erhielten. Für mich ein sehr auffälliges Merkmal ist der Hohe Wert zur Zeit der Großen Depression und heute.
Sollten die Schlussfolgerungen stimmen, so war diese Krise unvermeidlich, da dieses Ungleichgewicht Instabilität erzeugt und Systeme tendieren immer dazu zu einem stabilieren Zustand zurück zu kehren. Aus diesen Daten geht natürlich nicht hervor, wie sich das Verhalten der Staaten nun auf dieses Ungleichgewicht auswirkt.
Ein für mich persönlich noch interessanter Punkt ist die Sparquote der Deutschen in Quintils aufgezeigt (ein Quintil ist ein Fünftel).
Interessant hier für mich ist, dass die allgemein so hoch gelobte Sparquote nur von zwei Fünftel der Gesellschaft getragen wird. Wobei bereits das vierte Füntel unter dem Durchschnitt von 11,6% im Jahre 2003 liegt. Das ärmste Quintil erreicht sogar eine negative Sparquote ähnlich wie in den USA all die Jahre.
Ein hochspannende Lektüre die hier nicht zu Ende ist.
weitere Themen sind:
Abbau der Finanzaufsicht, Eckpunkte des Aufsichtsversagens, und vieles mehr
weiteres zu diesem Thema:
Von der Finanzkrise zur Weltwirtschaftskrise (III)
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