Mit wem handelt ein CFD Trader?
Zuerst einmal möchte ich kurz die Geschichte des Contract for Difference kurz CFD beleuchten.
Im allgemeinen wird die “Entwicklung, Erfindung” des CFDs in den frühen 90igern Brian Keelan und Jon Wood zugesprochen. Grund der ganzen CFD Entwicklung war, die Notwendigkeit, der in Großbritannien zu zahlenden “Stamp duty” – eine Steuer, die auf viele Transaktionen zu bezahlen ist, bei denen Dokumente die Besitzer wechseln. Da Aktien auch Dokumente sind, werden auch diese Arten von Transaktionen in GB extra besteuert.
Nun kamen die beiden findigen Herren auf die Idee nicht Dokumente auszutauschen, sondern nur einen Vertrag abzuschliessen, der einen Laufzeit unabhängigen Barausgleich der Differenz vorsah. Die CFDs waren geboren.
Zu Beginn waren diese Instrumente nur grossen Institutionellen Investoren wie Hedge Fonds zugänglich, denn die CFDs erwiesen sich als konstengünstiges Instrument um ihre Positionen abzusichern.
Erst durch die Entwicklung des Internets wurden dann die Contract for Difference Geschäfte auch privaten Investoren zugänglich gemacht.
Um die kosten einer CFD Transaktion so gering wie möglich zu halten ist sie von Natur aus als Over-the-Counter Produkt ausgelegt, d.h. die Abwicklung des Kaufes oder Verkaufes eines CFDs erfolgt ausschliesslich nur zwischen zwei Parteien. Dem Trader/Investor und dem Broker/Market Maker.
Als CFD Nutzer schliesse ich also eine Vereinbarung mit meinem Broker ab, der mir permanent Bid- und Ask- Kurse zu den angebotenen Underlyings stellt und das unabhängig von der wirklichen Marktliquidität.
Der grosse Nachteil eines CFDs liegt in dem sogenannten Counterparty Risiko, also dem Risiko, dass meine Vereinbarung direkt mit dem Market Maker erfolgt und nicht über eine Börse läuft. Dieses Risiko tritt bei allen Over-the-Counter Produkten auf, siehe hier auch z.B. der riesige CDS Markt, der wohl seine Mitschuld an der Finanzkrise 2007-200? trägt.
Was bedeutet aber Counterparty Risiko?
Kurz gesagt, der eingegangene Vertrag kann vom Broker/Market Maker nicht erfüllt werden. Was bedeutet dies?
Schauen wir uns das am Beispiel von CMC Markets an.
Laut angaben von CMC Markets werden Kundengelder auf seperaten Konten geführt, so das diese bei einem möglichen Konkurs sicher sind. Desweiteren ist CMC Teil des britischen Einlagenschutzes und der garantiert eine Summe von bis zu 48.000 britischen Pfund, d.h. er tritt ein damit meine Forderungen, die ich eventuell gegen das Unternehmen habe, beglichen werden können.
Mein Konto ist also dadurch gesichert, das es nicht zum Vermögen von CMC Market gehört. Die Einlagensicherung tritt dann in Kraft, wenn ich eine offene Position hätte und z.B. auf einem nicht realisierten Gewinn von 20.000 Euro sitze und CMC plötzlich meine Forderung nicht mehr begleichen könnte.
Woran verdienen denn die CFD Broker dann ihr Geld?
In der Regel sollten Kundenpositionen an der Börse gespiegelt werden (sprich gehedged) sein, damit kein Risiko für den Broker entsteht. Wie das im Detail gemacht wird, kann ich leider nicht beantworten, es gibt auch Aussagen, dass nicht alle Positionen gehedged werden. Dies halte ich durchaus für realistisch, denn die Broker besitzen alle nötigen Daten um “gegen” einen Kunden zu spekulieren.
Nehmen wir an ich bin ein nicht profitabeler Trader und bereits seit 2 Jahren Kunde bei meinem Broker. Mein Broker sieht anhand meiner Vergangenheit, dass ich in 75% aller Fälle falsch liege. Würde er jetzt meine Position nicht hedgen, könnte er zusätzlich zu dem Spread und den Gebühren (bei Aktientransaktionen) einen weiteren Gewinn erwarten.
Ob dies gemacht wird, weiß ich nicht, muss mich persönlich auch nicht interessieren, solange mein Broker sich an die mit mir geschlossenen Vereinbarungen (Kauf- und Verkaufsorders) hält.
Das an mancher Stelle erwähnte Problem der schlechteren Kursfeststellung halte ich für meinen Fall als vernachlässigbar oder für nicht gegeben, da der Konkurrenzdruck für annehmbare bis faire Bedingungen sorgt.
Mein Rat:
- Suche dir einen anerkannten CFD Broker heraus, der auf seiner Homepage offen über die Sicherung der Kundengelder berichtet.
- Bei grösseren Vermögen splitte es zwischen Brokern, wenn du nur CFDs handeln möchtest.
- Beobachte wie die Aufträge ausgeführt werden, bei Unzufriedenheit reklamiere beim Broker, dieser wird dann zu deinem Einzelfall Stellung beziehen.
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Comments (365)
Toller Beitrag, danke! Dass meine Orders in Wirklichkeit auf der Börse real stattfinden sollten wusste ich z.B. gar nicht. Vielleicht habe ich war ich beim Lesen über CFDs nicht aufmerksam genug, aber genau das ist mir beim Lesen offensichtlich entgangen, so das ich dann das Model eines CFD Brokers nie wirklich verstehen konnte… Jetzt ist mir das klar.
Und ja, an der Stelle eins CFD Brokers wäre ich auch das Risiko eingegangen, und hätte einige Trades der besonders “begabten” Kunden nicht an der Börse ausgeführt
. Bei Gaps kann man da auch ein schönes Geschäft mit eröffneten aber noch nicht ausgeführten Orders machen…
Was ich noch vergessen hatte ist die Möglichkeit CFDs über eine Börse zu handeln. Exchange CFDs. Ist an der Australischen Börse möglich.
gruss
morvan
eachtradingday