Mein Glas war leer, nun ist es doch noch voll!

Seufz.

Der Frühling steht vor der Tür und ich freue mich schon im Biergarten zu sitzen und das erste kühle Weizenbier zu trinken. Aaah, wird das lecker. Es könnte so schön sein, doch irgendwann kommt der Moment wo mein Glas leer sein wird und ich nur die Wahl habe 1.) mir ein neues Bier zu holen (kostet doch so viel!) oder 2.) aufzustehen und schon nach 10 Minuten wieder in Richtung Heimat zu verschwinden (so ohne was zu trinken, kommt man sich ja blöd vor!).

Aber halt, seit neuestem gibt es ja eine 3.) Möglichkeit – wie konnte ich das vergessen. Hoch lebe die FASB, hoch lebe der amerikanische Kongress, hoch lebe die Bankenlobby.

Ich werde mein leeres Glas einfach als “gestressten” Markt sehen, denn im Gegensatz zu meinem Glas sind die von meinen Nachbarn alle noch voll, daher gehe ich mal davon aus, dass bei mir nicht die richtige Menge im Glas ist. Wie wunderbar, ich denke mir einfach es sei voll und trinke weiter; kann NICHTS nicht einfach herrlich schmecken?

So gut hat es mir noch nie geschmeckt und so langsam frage ich mich, warum ich noch nicht früher auf die Idee gekommen bin? 

Na ja, wenn ich ehrlich bin schmeckt es nicht wirklich, aber das wird mich nicht daran hindern zu versuchen noch etwas aus meinem Glas heraus zu bekommen.

Ich frage also meinen Tischnachbarn, ob wir nicht tauschen wollen; der blickt verstört mein “volles” Glas an.

“Dein Glas ist leer!”, meint er.

Ich völlig entsetzt “Sagt wer?”.

“Ja niemand, aber ich seh es doch.”

“Nein, dann siehst du nicht richtig, denn mein Glas ist voll. Also tauschen wir nun?”

Er lacht und zeigt mir einen Vogel. Ich versteh die Welt nicht, dabei hab ich mich doch einfach an die Vorschriften gehalten. Ob mit denen etwas nicht in Ordnung ist?

Gedankenverloren nippe ich an meinem vollen Glas und plötzlich schmeckt es nach NICHTS.

Zum Verständnis:

Die unabhängige Behörde FASB hat die mark-to-market Regel für Banken, auf Druck des amerikanischen Kongresses und der Bankenlobby, geändert. Nun ist es möglich, dass die Banken ihre Assets nach eigenem belieben bewerten können, sobald sie einen nicht richtig funktionierenden Markt feststellen. Dadurch wird eine Bewertung der Vermögenswerte dieser Institute noch stärker erschwert. Ich kann jedem nur Raten in keinerlei Bankaktien zu investieren, denn worauf jeder Investor Wert legen sollte, nämlich Transparenz wird hier mit Füssen getreten. Meiner Meinung nach wird dies den gesamten Prozess nur künstlich in die länge ziehen. 

Airelon’s sehenswerter Kommentar dazu (in Englisch, Achtung: Lachmuskeln in Gefahr!)

 

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