Ist mark-to-market nun doch nicht für die Abschreibungen verantwortlich?
Die letzten Tage liest man viel darüber, dass die Banken ein starkes interesse haben, die mark-to-market Regeln zu ändern. Für mich stellte sich das bisher so dar, dass die Banken nur wieder versuchen die wirklichen Werte ihrer Vermögenswerte zu verschleiern, doch vielleicht ist auch alles ganz anders?
Doch zu erst einmal was ist mark-to-market überhaupt?
Unter mark-to-market versteht man die tägliche Bewertung seiner Vermögenswerte (Assets) nach einem Marktpreis. Dies wird in der Mainstreampresse als Teil des Problemes der Banken ausgemacht, doch nun bin ich auf einen Interessanten Beitrag von David Reilly auf Bloomberg gestossen, der ganz andere Gründe dahinter sieht.
Er hat sich die Mühe gemacht einmal zu überprüfen, wieviele der Assets der 12 grössten Banken im KBW Index überhaupt mark-to-market bewertet sind.
Gerade mal 29% der 8.46 Billionen US $ der Assets sind mark-to-market bewertet oder 2.54 Billionen US $. Die meisten der nicht mark-to-market bewerteten Vermögenswerte sind Kredite!!! Immobilienkredite, Konsumkredite und Unternehmenskredite.
Loans are held at their original cost, minus a reserve that banks create for potential future losses. Their value doesn’t fall in lockstep with drops in market prices.
Yet these loans still produce losses, thanks to the housing meltdown and recession. In fact, bank losses on unmarked loans are typically bigger than mark-to-market losses on securities like bonds backed by mortgages.
Ein Punkt über den ich mir bisher keine Gedanken gemacht habe, aber in der Praxis werden die Kredite nicht zu ihren Marktpreisen bewertet, sondern zu ihren Originalkosten minus einem Sicherheitspuffer. Diese dadurch entstehenden Verluste sind sogar höher anzusetzen, als bei durch mark-to-market bewerteten Anleihen.
Such a big pool of unmarked assets makes investors nervous about banks’ books. The lack of marking also flies in the face of a bank’s business model, which relies on borrowed money, often provided for short periods of time, to lend longer term.
New Money
This makes banks very different than, say, a homeowner who borrows a lot of money. In most cases, the homeowner has locked in funding. So long as the homeowner makes payments and doesn’t need to refinance, market prices aren’t that important.
Banks must tap debt markets for new money all the time. Investors buying that debt want to know how much the bank’s assets are worth. That tells them how much of an equity cushion the bank has to absorb losses.
For those investors, the current value of an asset, not what management thinks it will be worth, is vital. After all, their biggest concern is getting paid back in the event of default.
If they can’t gauge that likelihood, they stop lending. Banks then can’t finance themselves. That is a big cause of the credit crunch.
Giving those investors a better sense of the true losses facing banks, not tampering with mark-to-market accounting, is the way to help the financial system heal.
Herr Reilly kommt hier zu einem interessanten Ergebnis. Er gibt den uneinschätzbaren Werten die Schuld daran, dass Banken nicht mehr in der Lage sind sich zu refinanzieren. Eine Bank muss sich jeden Tag neues Geld beschaffen, um seine Verpflichtungen nachkommen zu können. Dies entspricht also nicht einem Verhalten das ein nicht Banker so ohne weiteres nachvollziehen kann.
In der Regel wird die grösste Anschaffung, die wir in unserem Leben tätigen – das Haus – über ein einziges grosses, langfristiges Darlehen finanziert. Dies würde bei einer Bank nicht so ablaufen. Eine Bank refinanziert sich jeden Tag von neuem und ist daher darauf angewiesen an frisches, günstiges Geld zu kommen. Werden nun Zweifel bei den Investoren hinterlassen, dass die Assets der Bank wirklich so werthaltig sind, das diese ihren Verpflichtungen nachkommen kann, dann sieht sie sich einem riesen Problem ausgesetzt. Sie erhält keine Gelder mehr und wird Zahlungsunfähig.
Wir haben kein Liquiditätsproblem, sondern ein Vertrauensproblem!
Warum nun die Kredite, diese Abschreibungen bedürfen, wenn die Banken sie sowieso mit ihren Anschaffungskosten bewerten, vermag ich aus dem Artikel nicht zu erkennen. Ich hoffe in den nächsten Tagen zu diesem Thema noch etwas nachreichen zu können.
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Comments (217)
Neben dem Mark-to-Market gilt es, die Assets noch als Hold-To-Maturity (sprich: bis zur Fälligkeit halten) zu betrachten. In vielen Fällen ist das Problem, dass der “Market” keine Preise liefert, das Hold-to-Maturity jedoch zu langfristig ist, um die aktuelle Krise abzufedern. Ein bisschen darüber habe ich in einem Artikel geschrieben (vielleicht hilft es weiter, Links folgen): “Bilanz ist nicht, was sie ist, sondern was gemacht wird”.
Ups, ich habe mich beim Link-Code vertan:
http://www.boersennotizbuch.de/bilanz-ist-nicht-was-sie-ist-sondern-was-gemacht-wird.php
Danke für den Links, werde ich mir mal anschauen.
gruss
morvan
eachtradingday