Die wirkliche Große Depression

Ich bin über einen sehr interessanten Artikel gestossen der auf den 17 Oktober 2008 datiert und von SCOTT REYNOLDS NELSON geschrieben wurde. Erfrischenderweise ist Herr Nelson kein Ökonom, sondern Historiker am College of William and Mary 

Bild: SCOTT REYNOLDS NELSON

 

Der Name des Beitrages ist “The Real Great Depression” und ist im The Chronicle erschienen. Der Artikel ist sehr gut geschrieben und zeigt auf, warum seiner Meinung nach der Vergleich, der derzeitigen Krise mit 1929 nicht zutrifft. Vielmehr würde er den Vergleich mit der Krise 1873 bevorzugen.

WHAT? Welche Krise? 1873? Noch nie gehört. Ist ja schon über 125 Jahre her.

Aber der Reihe nach.

Warum der Vergleich mit 1929 hinkt.

According to most historians and economists, that depression had more to do with overlarge factory inventories, a stock-market crash, and Germany’s inability to pay back war debts, which then led to continuing strain on British gold reserves.

All diese Faktoren sehen wir heute nicht.  Nur in bestimmten Teilbereichen wie z.B. der Automobilindustrie sehen wir grosse Lagerbestände. Von einem Börsencrash kann bisher keine Rede sein, vielmehr sind wir über Monate hinweg gesunken. Was man eventuell vergleichen könnte ist Deutschlands scheitern die Schulden zu bezahlen, mit den vielen Hypothekenkrediten in den USA.

Nun komme ich leider nicht darum herum, eine längere Passage zu zitieren

 

The problems had emerged around 1870, starting in Europe. In the Austro-Hungarian Empire, formed in 1867, in the states unified by Prussia into the German empire, and in France, the emperors supported a flowering of new lending institutions that issued mortgages for municipal and residential construction, especially in the capitals of Vienna, Berlin, and Paris. Mortgages were easier to obtain than before, and a building boom commenced. Land values seemed to climb and climb; borrowers ravenously assumed more and more credit, using unbuilt or half-built houses as collateral. The most marvelous spots for sightseers in the three cities today are the magisterial buildings erected in the so-called founder period.

But the economic fundamentals were shaky. Wheat exporters from Russia and Central Europe faced a new international competitor who drastically undersold them. The 19th-century version of containers manufactured in China and bound for Wal-Mart consisted of produce from farmers in the American Midwest. They used grain elevators, conveyer belts, and massive steam ships to export trainloads of wheat to abroad. Britain, the biggest importer of wheat, shifted to the cheap stuff quite suddenly around 1871. By 1872 kerosene and manufactured food were rocketing out of America’s heartland, undermining rapeseed, flour, and beef prices. The crash came in Central Europe in May 1873, as it became clear that the region’s assumptions about continual economic growth were too optimistic. Europeans faced what they came to call the American Commercial Invasion. A new industrial superpower had arrived, one whose low costs threatened European trade and a European way of life.

Kurz zusammengefasst:

Einfachere Kredite führte zu einem Bauboom, besonders in wichtigen Metropolen wie Wien und Berlin. Es wurden Kredite auf die gestiegenen Hauspreise gegeben – das kommt dem einen oder anderen sicherlich bekannt vor. Doch der ökonomische Aufschwung war auf keinem soliden Boden errichtet. Die Weizenproduzenten aus Russland und zentral Europa sahen sich einem neuen Konkurrenten ausgesetzt, der viel günstiger produzierte und den Marktpreis in den Keller schickte – Amerika!

As continental banks tumbled, British banks held back their capital, unsure of which institutions were most involved in the mortgage crisis. The cost to borrow money from another bank — the interbank lending rate — reached impossibly high rates. This banking crisis hit the United States in the fall of 1873. Railroad companies tumbled first. They had crafted complex financial instruments that promised a fixed return, though few understood the underlying object that was guaranteed to investors in case of default. (Answer: nothing). The bonds had sold well at first, but they had tumbled after 1871 as investors began to doubt their value, prices weakened, and many railroads took on short-term bank loans to continue laying track. Then, as short-term lending rates skyrocketed across the Atlantic in 1873, the railroads were in trouble. When the railroad financier Jay Cooke proved unable to pay off his debts, the stock market crashed in September, closing hundreds of banks over the next three years. The panic continued for more than four years in the United States and for nearly six years in Europe.

Als nun die Krise die Banken in Kontinentaleuropa ins wanken brachte, hielten die Britischen Banken ihre Gelder zurück und verknappten so den Kreditmarkt. Die Interbanken Raten schossen in unglaubliche Höhen. 

Erinnert mich an den Zusammenbruch von Lehman Brothers, als niemand, niemandem mehr vertraute und wir Gefahr liefen, dass der Kreditfluss zum erliegen kommt.

1873 waren die ersten Unternehmen, die von dieser Entwicklung betroffen waren Eisenbahnen, die neue, komplexe Finanzinstrumente entwickelt hatten um ihre Investitionen tätigen zu können. Klingt verdammt nach CDS, ABS, MBS und wie sie nicht alle heissen. Ironie des Schicksals das heute die Banken die Erfinder und Verwender dieser komplexen Finanzinstrumente sind.

Viele Eisenbahnen hatten sich kurzfristig refinanziert und als nun die Zinsen explodierten, stürzte ihr Geschäftsmodel zusammen  - Hypo Real Estate lässt grüssen.

If there are lessons from 1873, they are different from those of 1929. Most important, when banks fall on Wall Street, they stop all the traffic on Main Street — for a very long time.

Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus seinem Beitrag und ich empfehle jedem ihn nochmal im Original zu lesen.

Was diese Depression uns lehrt ist folgendes:

  • Nur finanziel Starke Firmen überlebten diese Krise und übernahmen ihre Wettbewerbe zu Fire-Sale Preisen
  • Die Arbeitslosigkeit explodierte und führte zu Aufständen
  • Die einzelnen Länder schotteten ihre Wirtschaften ab und verschlimmerten so die Situation noch
  • Die Krise an sich dauert ca. 4 Jahre, aber die Auswirkungen hielten viel länger an

[ad#page]

Related posts:

  1. Die große Depression vs. die große Rezession
  2. Obamas große Niederlage

Comments (347)

 

  1. Kalli says:

    Wir befinden uns derezeit in einer Depression, auch wenn wir davon noch nichts aus politischen Kreisen gehört haben. Aber ich glaube nicht an die Ente der Politik, das es Konjunktur mäßig Bergauf gehen wird. Im Gegenteil ich denke die Abwärtsbewegung wird stärker.