Bilanzierungsvorschriften und kein Ende!

Wir durften ja alle miterleben, wie in den USA die Bilanzvorschriften den neuen Marktgegebenheiten “angepasst” oder “verbessert” wurden. Böse Zungen könnten behaupten – der Bewertung nach belieben – die Türen weit geöffnet wurden.

In den USA gelten die Generally Accepted Accounting Standards (US-GAAP). Dort erleichterte das Financial Accounting Standards Board im April die Anforderungen an Banken und Versicherer bei der Zeitwertbilanzierung. (FTD)

Das unabhänigige FASB, sah sich enormen Druck von Seiten der Finanzbranche und der Regierung gegenüber und so blieb ihnen fast gar nichts übrig als die Regeln zu ändern.

Umso erstaunlicher ist für mich, dass das IASB nun beschlossen hat die Regeln nicht zu ändern.

In Europa und anderen Teilen der Welt wird mit den vom IASB erarbeiteten Bilanzierungsregeln International Financial Reporting Standards (IFRS) gearbeitet.

Das gejammere ist nun gross in der Finanzbranche. Angeführt von den Versicherern malen sie die Zukunft düster in die Köpfe der Leser.

“Große institutionelle Investoren können es sich gar nicht mehr leisten, Aktien oder auch strukturierte Produkte zu halten”, sagte Zielke.

“Ich würde mir wünschen, dass das IASB akzeptiert, dass es auch eine Verantwortung für die Finanzmarktstabilität hat.” Dann müssten die Buchhaltungs- und Bilanzierungsregeln so gestaltet werden, dass die Finanzmarktstabilität nicht gefährdet sei, sagte Bäte.

“Das wird von den Bilanz-Ayatollahs getrieben”, sagte ein

Ich frage mich nur, warum diese Vorschriften seit Jahrzehnten akzeptiert wurden?

In der Krise ist nun klar, das deren Geschäftsmodelle zu riskant sind und sie eigentlich ihr Risiko herunterfahren müssten, dass allerdings würde es natürlich erschweren ihre Produkte unter die Leute zu bringen. Wer möchte schon eine Lebensversicherung die im Jahr 1 % Rendite erwirtschaftet?

Ich bin der Meinung, dass wenn es einen Marktpreis gibt, dieses auch in der Bewertung gehört und nicht ein Wunschpreis! Vielleicht könnten wir das ganze noch etwas entzerren indem wir berücksichtigen wieviel Prozent der Verpflichtungen diese Banken und Versicherungen jährlich zu leisten haben und so eine Gewichtung erreichen??

Wie genau das aussehen würde weiss ich nicht, nur eins ist mir mit Sicherheit klar. Eine Bewertung die dem reinen Wunschdenken entspricht hilft auch niemandem. Nicht dem Unternehmen, nicht den Aktionären und auch nicht den Kunden. Vielleicht profitieren ja nur die Angestellten davon, die sich dadurch beliebig hohe Boni ausschütten können, denn Verluste könnten theoretisch bis in den plötzlichen Bankrott verschoben werden.

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Comments (3)

 

  1. BeBo says:

    Full ack. Aber mal 2 Dinge hervorgehoben:

    Es gibt keine Finanzprodukte als solches. Für Verwaltung etc. können Banken und Versicherungen zwar eine Gebühr erheben, aber die Erträge kommen allein aus der Realwirtschaft und da sind die Renditen i.d.R. schon immer im mittleren einstelligen Bereich daheim. Von daher sind die Versprechen dieser Finanzprodukte von vorne herein unredlich, weil von keiner Realwirtschaft als Dauerzustand lieferbar…

    Lebensversicherungen als running gag. Abgesehen von den Risikoversicherungen: wer möchte überhaupt eine LV, wenn der Vertreter ihn umfassend aufgeklärt hat. Allein die Abschlußgebühr ist i.d.R. horrend. Die LV ist im Prinzip das gleiche Produkt wie eine RV, es soll heute eingezahlt und irgendwann am Stück oder in Scheiben ausgezahlt werden. Als ob Geld in die Zukunft transferierbar wäre… (Stichwort: Mackenroth) – Kann man derzeit auch in den USA schön sehen, spätestens seit Enron und nunmehr GM, wie die RV-Rücklagen mitverbrannt worden sind.

    Ah, noch ein Punkt: die Versicherer müssen den Wert ihrer Anlagen (im Gegensatz zu den Banken) erst bei Aktivierung zum dann abgerutschten Wert in die Bücher nehmen, d.h., da ist Schrott in Größenordnungen noch auf keinem Zettel der Politik aufgetaucht. Hey?

  2. morvan says:

    hi bebo,

    mackenroth ist interessant, kannte ich bisher nicht! seine theorie ist sicherlich diskussionswürdig. das problem bei kapitaldeckung sehe ich einfach, dass zuviel anlagen in nicht produktive investments fliesst und daher das zukünftige volkseinkommen nicht wächst.

    bin mir sicher, die zukunft wird noch interessantes für uns haben.

    gruss
    morvane
    eachtradingday