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4 Ideen wie wir das Finanzsystem besser machen können.

Langsam beginnen sich die Regierungen zu überlegen, wie man verhindern kann, dass solche Systemkrisen wieder passieren können.

Vermutlich wird aus machtkalkül keine gute Lösung zu finden sein. Weiterhin wird jeder darauf bedacht sein, seine Position zu verbessern und keine Nachteile gegenüber anderen Standorten zu haben. So werden es die Finanzinstitute wieder schaffen New York gegen London, Frankfurt gegen Shanghai, Tokio gegen Moskau auszuspielen. 

Unsere Repräsentanten haben oft vergessen, was ihre Aufgabe ist – uns zu repräsentieren. Ihre eigene Meinung oder Verpflichtungen müssten kaum eine Rolle spielen, aber dies liegt nicht in der menschlichen Natur.

Viele Fragen sich, warum es dazu kommen konnte. Ich finde, diese Frage ist nicht so wichtig, bzw. wird aus den falschen Gründen gestellt. Man möchte mit dem Finger auf jemanden zeigen können und kann seine Schuldzuweisungen auf jemanden konzentrieren. Auch dies ist sehr menschlich.

Welche Punkte können wir feststellen, die dafür sorgten, dass auf einer globalen Ebene keine Aufsichtsbehörde auch nur im entferntesten reagiert hätte? Niemand hat auf vereinzelte Warnungen gehört. Warum war das möglich? Sind alle so dumm gewesen?

Nun ein paar Gedanken dazu und was praktikable Lösungen sein könnten, von denen ich kaum etwas höre.

Für mich sind folgende Punkte zentrale Faktoren, die uns an diesen Punkt geführt haben.

  1. Niemand versteht eine Bank und ihre Risiken, selbst die Angestellten und Investoren nicht.
  2. Es wurde “bewusst” dafür gesorgt, dass der Finanzsektor so intransparent wie möglich wurde.
  3. Banken sind zu gross geworden. Ein scheitern von ihnen kann zu erheblichen Schädigungen des gesamten Wirtschaftorganismuses führen.
  4. Da keiner die Risiken richtig versteht, wurden sie auch falsch bepreist und führten zu massiven Fehlanlagen von Geld.

Diese Faktoren führten über die Jahrzehnte dazu, dass sich ein Risiko im Gesamtsystem aufbaute, dass im allgemeinen als 1 in 1 Millionen Jahren bezeichnet wird. Nur treffen wir so ein Ereignis in jedem Jahrhundert vor und weitere kleinere nicht so Systemkritische auch.

Ein paar Denkanstösse wie wir das ganze stabiler gestalten könnten.

  1. Da niemand eine Bank und ihre Risiken richtig verstehen kann, müssen wir die Möglichkeit eines maximalen Risikos beschränken. Dies zielt natürlich auf das Verhältnis Eigenkapital : Fremdkapital hinaus und könnte auf internationaler Ebene festgelegt werden. 
  2. Alle Teilnehmer, die mit Geldschöpfung zu tun haben, müssen ihre Geschäfte über ein Transaktionsmedium abschliessen, z.B. eine Börse. Es ist untersagt, Verpflichtungen einzugehen, die nicht über diesen Mechanismus gelaufen sind. Damit könnte die Aufsicht eines Institutes dem Markt übergeben werden, denn dieser wird schneller, günstiger und zuverlässiger die Risiken eines Institutes aufzeigen und alle Marktteilnehmer können sich über die Einzelrisiken eines Institutes jederzeit informieren. Das Motto ist hier – maximale Transparenz!
  3. Mit dem festlegen eines maximalen Hebels von EK zu FK, sollte auch eine Höchstgrenze der Bilanzsumme festgelegt werden.
  4. Einem Finanzinstitute ist es untersagt Gesellschaften zu führen, die nicht in ihrer Bilanz aufgeführt werden.

Unsere Gesellschaft hat sich im laufe der Jahrtausende immer wieder weiterentwickelt und manchmal muss man einfach feststellen, dass ein Sektor zu wichtig ist, als das er zu “wichtig” wird.

Klingt komisch?

Der Finanzsektor ist so wichtig geworden, dass es ihm leicht fällt die Entscheider in den Einzelregierungen so zu beeinflussen, dass alles zu ihrem Vorteil entschieden wird. Nun werfen viele dem Markt ein versagen vor. Genau dies ist aber nicht der Fall!

Ein Markt benötigt freien Zugang zu allen Informationen, wenn dies nicht der Fall ist dann führt dies zu falschen annahmen und zu einer falschen Preisfindung. Es gibt also kein Marktversagen wie uns viele einreden möchten, denn es hat so einen Markt nie gegeben. 

Ich bin in der Regel für das Recht frei Verträge untereinander aushandeln zu können, aber hier benötigen wir maximal mögliche Transparenz, damit frühzeitig faule Äpfel vom Markt erkannt werden können. Also keine Geschäfte ausserhalb einer Börse. Damit wir einen funktionierenden Markt bekommen, müssen wir diese Institute dazu zwingen.  Ihre Aufgabe ist halt nicht nur Geld zu verdienen, sondern auch Kredite zu vergeben, damit investitionen getätigt werden können. Dies sind zentrale Aufgaben, die Überlebenswichtig geworden sind.

Damit hätte eine AIG verhindert werden können, davon bin ich überzeugt, denn wer hätte von AIG denn schon ein CDS eingekauft, wenn er wüsste, dass AIG bereits Verpflichtungen von 100 Milliarden haben, aber nur über Eigenkapital von 1 Milliarden verfügen? (Zahlen sind fiktiv).

Natürlich sind dies Vorstellungen für ein Utopia und der Finanzsektor wird alles mögliche tun, damit es weiterhin so intransparent wie möglich bleibt. Intransparenz bedeutet mehr Macht für diejenigen, die denken über mehr Informationen zu verfügen als andere.

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  5. Ist mark-to-market nun doch nicht für die Abschreibungen verantwortlich?

Comments (5)

 

  1. Denkst Du nicht auch, dass Grenzen (=Mauern) immer überwunden werden? Und denkst Du wirklich, die Einschränkung der Vertragsfreiheit zugunsten der Transparenz sei eine gute Idee? Meiner Ansicht nach ist Dein Vorschlag – trotz vorsichtiger und umsichtiger Formulierung – extrem gefährlich für das Funktionieren eines Marktes.

    Der Markt ist und wird nie perfekt sein. Transparenz ist ein Ziel, kann aber m.E. kein Instrument sein. Den Marktteilnehmern sollte immer alles erlaubt sein, bis auf ganz wenige Ausnahmen, die dann im Einzelnen gesetzlich geregelt werden müssen.

    Die derzeitige Krise ist m.E. auch nicht das Ergebnis eines sog. Marktversagens, sondern spiegelt eine völlig normale Reaktion eines Marktes auf eine lange Phase ohne Selbstreinigung dar. Anders ausgedrückt: hätte einerseits die US-Regierung niemals über (halb-)stattliche Vehikel wie Fannie Mae etc. künstlich kreditfinanziert die Wirtschaft angeheizt und wären andererseits Madoff et al. schon vorher erwischt worden (es gab vor Jahren immer wieder entsprechende Hinweise und Untersuchungen der SEC – auf Basis geltender Gesetze), wäre es nicht zu einem derartigen Knall gekommen.

    Was denkst Du?

  2. morvan says:

    hi michael,

    gerade das sehe ich anders. es gab kein marktversagen, da es hier keinen markt gab.

    natürlich wurden dinge zwischen 2 parteien ausgehandelt etc. (CDS), aber offen und transparent wie z.b. aktienhandel war das nicht. produkte zu verkaufen. an leute die sie nicht verstehen hat mit markt nichts zu tun.

    deswegen sehe ich das auch nicht als marktbereinigung, sondern einfach als unabwendbare konsequenz von intransparenz.

    und fannie und freddy haben mit nichten mit diesem kreditwahnsinn begonnen, sondern schlugen nur in die selbe richtung wie die “neuen” gläubiger.

    ich bin keineswegs für eingschränkungen, sondern bin für transparenz. nur möchte ich auch die grenzen neu festlegen, da es sich gezeigt hat das “to big to fail” einfach zu gross ist.

    als steuerzahler hab ich einfach keine lust, private fehlspekulationen bezahlen zu müssen und daher würde ich es begrüssen bzw. halte ich es für unausweichlich, das wir verhindern das es solche institute gibt.

    ich sage nur, dass wir “schon wieder” in einer ähnlich schweren krise wie 1878,1929 stecken und es langsam offensichtlich wird, das irgendetwas nicht am richtigen platz ist. diese krisen dürften sooft passieren wie die auslöschung der dinosaurier, aber sie tauchen zu häufig auf, daher wird an den regeln oder theorien etwas nicht stimmen.

    was wäre dein vorschlag?

    gruss
    morvan
    eachtradingday

  3. Stefan says:

    Ich find die Vorchläge sind ein Schritt in die richtige Richtung. Ich fürchte zwar, dass 3 und 4 leicht zu unterlaufen sind, aber die grundsätzliche Idee ist gut.

    Wo ich noch eine große Gefahr sehe ist, dass diese Regeln irgendwann vergessen oder aufgeweicht werden. Wir hätten ja schon aus den Krisen 1929-1939 und 1873-1890 lernen können — Immerwieder kam aber das Argument, inzwischen sei alles anders, heute könne sowas nichtmehr passieren.

    Wir brauchen eine Art weltweite Finanzverfassung. Es muss ein erklärtes Ziel der Weltpolitik sein, ein *robustes” Finanzsystem aufzubauen.

  4. morvan says:

    hi stefan,

    ja das sehe ich auch als ein riesen problem an. so wurde ja erst vor einigen jahren die alten regeln/gesetze in amerika aufgeweicht, die nach 1929 eingeführt wurden. ob dies nun zur krise geführt hat, wissen wir leider nicht.

    zu den punkten
    3. alles was eine bank macht und beteiligungen unterhält müsste in die bilanz. ein unterlaufen dieser vorschrift müsste hart bestraft werden. >10 jahre gefängnis z.b.
    4. falsche bepreisung wird es sicherlich immer geben, aber wenn wir für maximale transparenz + einen funktionierenden markt sorgen könnten, müsste sich das in grenzen bewegen, die vom system zu verkraften sind.

    gruss
    morvan
    eachtradingday

  5. Stefan says:

    Ich würde noch ein Punkt hinzufügen, nämlich keine oder nur sehr eingeschränkte Fristentransformation (kurzfristig leihen, langfristig verleihen) und das Halten einer üppigen Mindestliquidität.

    Die HRE hat das nicht beachtet und ist (uA) deshalb untergegangen.

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